Zur diätetischen Wirkung von Knorr-Fix für Spinat-Käse-Suppe

91,2 Kilogramm Lebendgewicht, ohne Schuhe, aber mit Strümpfen

Diät halten macht Spaß. Gestern hat eine Frauenzeitschrift angerufen, ob ich mich nicht vor der Kamera ausziehen wolle. Ich war geschmeichelt, aber fand den Zeitpunkt noch ein wenig zu früh. Aber die Damen wollten mich jetzt, nackt und sofort. Mir kam die Vorstellung merkwürdig vor: ich unbekleidet vor der Kamera, mit einer Tüte von Maggi in der einen Hand und einer von Knorr wegen der anderen, „Wegen der Ausgewogenheit“, wie die Frauenzeitschrift kicherte.

Ich werde noch einmal darüber nachdenken. Vielleicht lockt ja, wenn ich mich darauf einlasse, sogar eine Nebenrolle bei GZSZ. Wenn sich dabei herausgestellt hätte, daß ich wirklich ein mieser Schmierenschauspieler wäre, dann könnte ich immer noch singen, von Dieter Bohlen produziert. Das wäre mein Traum. Es muß ja nicht solch eine Rolle sein wie die, wo die Catterfeld auf der Toilette Sex mit ihrem Lehrer hat. Sie ist irgendwie nicht mein Typ. Und wenn sie singt wird mir schwindelig und dann schlecht: dieses Heulsusen-Gesäusel das wie auswendig gelernt klingt. Buäh.

Die Veröffentlichung meines geheimen Diät-Tagebuches scheint ein Schlager zu werden. Gestern bekam ich Besuch von zwei in schwarze Ledermäntel gekleideten Herren in Begleitung geschmackvoller Pitbulls, die vorschlugen, nicht mehr öffentlich sichtbar abzunehmen. Dabei spielten sie mit Schlagringen und einer Maschinenpistole. Die Wirtschaft, der es schlecht und ohne die es nicht ginge, wäre daran interessiert zu betonen, wie gesund ihre Produkte seien. Deshalb bestehe jede Tütensuppe ja zu 90% aus Jodsalz. Es wäre nicht gut für das Geschäft, wenn ein Fettwanst wie ich öffentlich hungerte. Abnehmen solle man bitte mit den speziellen Diät-Produkten, die das zehnfache wie eine anständige Tütensuppe kosten und aus den gleichen Chemiefabriken stammten. Das wäre exakt das gleiche Produkt, nur ansprechender verpackt. Ich denke über den Vorschlag nach.

Vielleicht mache ich ein eigenes Diät-Konzept und vermarkte es. Vermarkten kann man den größten Schwachsinn. Das ist das Schöne am Kapitalismus: je dümmer etwas ist, je weniger man es brauchen kann, desto besser verkauft es sich. Wenn man sich die Diät-Vorschläge aus der Regenbogenpresse anschaut... je blöder, um so lieber werden sie nachgemacht. Dem brauche ich in nichts nachstehen.

Wie wäre es mit einer Tannenzapfen Diät? Vor jeder Mahlzeit einen Tannenzapfen unzerkleinert herunterschlucken. Oder die Aloe Vera Diät oder oder oder oder... mir fällt schon noch etwas ein. Keine Sorge. Ich werde ein kommerzieller Diät-Erfolg. Wenn mein Bauch so flach wird wie das Hirn von Daniel Küblböck... Wird meine Tütensuppendiät ein Erfolg. Ich bekomme heute schon mehr Anrufe, als mir lieb ist.

Ich war gestern bei der örtlichen Feng Shui Gruppe und habe mir dort ein paar Anregungen geholt. Ich plane, eine eigene Diätlinie zu entwerfen. Ich werde sie „Pfui Schenk“ nennen. Schenk ist ein ehemaliges geistliches Vorbild für mich und war schon damals genauso fett wie ich heute. Die Pfui-Schenk-Diät hat einige ungewöhnliche Schwerpunkte. Sie basiert vor allem auf Tütensuppen, die raffiniert verfeinert werden.

Meine heutige Ernährung: ich beginne den Tag mit einer Verfeinerung. Die Suppe folgt später, davon nimmt man schneller ab.

Frühstück: 200 ml alkoholfreies Wasser, still aus einem ruhenden See bei Mondlicht geschöpft unter dem Absingen einer Feng Shui Melodei. Dazu 188 Gramm Fenchel, Zitronensaft, Dill und 14 Gramm Fischfilet, nicht von EXTRA ­ die vermarkten Kabeljau, der vom Aussterben bedroht ist. Dazu: Nutellabrot mit Salz. Das Salz neutralisiert den Zucker!

2. Frühstück: eine halbe Zucchini mit Lauch und Zimt anrichten und nicht essen.

3. Frühstück: 1 Kilogramm Zwiebeln, 2 Kilogramm Spätzle, 3 Kilogramm Butterreinfett. Alles zusammen auf höchster Flamme erhitzen. Dann erkalten lassen, mit einer Prise Thymian würzen und zu kleinen Küchlein formen. Hände dabei befeuchten! Dann klebt der Teig nicht an ihnen! Alles mit einem halben Pfund Soßenbinder panieren. Hmmm! Lecker. (Den Tip mit der Prise Thymian habe ich von meinem allerbesten Freund Sebastian Gripp. Danke, Sebastian!)

Mittags:

Knorr-Fix für Spinat-Käse-Suppe

Tütensuppe. Meine Frau hat heute einen echten Diät-Tag für mich eingeplant und von „Knorr-Fix“ die „Spinat-Käse-Suppe“ „gekocht“ ­ man weiß kaum noch, wo man die Anführungszeichen setzen soll.

Ich war ein wenig verblüfft über diese Mahlzeit: da verkauft einem Knorr für 1,35 ein bißchen Pulver aus Salz, Stärke, Fett, diversen Zuckern und „Milcheiweißerzeugnissen“, Kaliumphosphat, Schmelzsalz, und Natriumphosphat und schreibt zu diesen Zutaten noch groß „Genießen Sie eine leckere Spinat-Käse-Suppe“ auf die Tüte.

In der Tüte ist nichts drin, was für die Zubereitung einer solchen Suppe notwendig ist. Man muss noch Spinat, Käse und Schinken dazu kaufen. Noch leckerer wird die Suppe, wenn man das Knorr-Fix weglässt.

Der Diät-Erfolg war überwältigend und trat auf der Stelle ein. Nachdem sich im Kochtopf eine übelriechende, klumpende Masse auftat, die niemand mehr essen wollte, war die Essstimmung bei uns zu Hause leicht modifiziert. Das, was aus dem Tütchen gequollen werden konnte, sah aus wie eine verlorene Portion Schlemmkreide mit Algen darin.

Sie dachte mit tränenfeuchten Augen an den Spinat, den ihre Eltern, die die GRÜNEN wählen, wie alle alten Leute, im eigenen Garten anbauen, wenn sie noch welchen finden. Meist findet man im Garten nicht mehr viel, weil alles von russischen Aussiedlern abgeerntet wird, die aber zum Dank ihre leeren Schnapsflaschen zurücklassen.

1. Abendbrot: 1 Scheibe totes Toastbroat

2. Abendbrot: wie 1. Abendbrot

Nachtmahl: 1 Flasche guten Portwein, dazu 200 ml alkoholfreies Wasser (wie zum Frühstück).

Guten Appetit! Und gute Nacht.