Was man aus der Titanic-Katastrophe und dem Besuch des Cinemaxx lernen kann für die Kunst des Abnehmens

Habe heute wieder den Titanic-Film gesehen, die neueste Verfilmung mit diesem netten Jungen und dieser Kate Winslett und einer im Hintergrund wimmernden Schlagersängerin.

Titanic-Verfilmungen gibt es ja wie Wasser im Meer, Dutzende und eine ist schlechter als die folgende. Als ich noch ein Kind war, knödelte Pels von Felinau im Radio herum, im amerikanischen Besatzungssender RIAS. Felinau zehrte von seinem zweifelhaften Ruhm, Überlebender der Titanic-Katastrophe gewesen zu sein. Diese Legende, von ihm selbst inszeniert, wurde dann aufgrund einer bedauerlich sehr gründlichen Quellenforschung widerlegt. Felinau hatte das Schiff ganz offenbar nie betreten. Da fällt es leicht, den Untergang zu Überleben.

Die große Fettheit gerade dieses Schiffes hat mich zu einem Gespräch mit meinem Koch veranlasst, der mich auf einen kleinen Regiefehler hinwies. Die großen Regiefehler hatte ich schon selbst bemerkt: der schönste dieser Fehler ist eine Szene weit hinten und kurz vor dem Schluss, wo der gute nette Junge mit der ehemals blasierten und jetzt natürlich verliebten Winslett am Heck des Schiffes darauf wartet, daß der Gigant versinkt ­ und er dann mit ihr in genau dem richtigen Augenblick als das Schmuckstück der Meere mit 30 Knoten down yonder geht, ins Wasser springt, just als der Rest der Titanic genau auf Wasserspiegelhöhe ist.... In Wirklichkeit währen die beiden natürlich durch den entstehenden Strudel mit auf den Meeresgrund gerissen worden.... aber wer will schon Wirklichkeit sehen, wenn er sich "Titanic" anschaut. Die Verfilmungen dieser Tragödie sind allesamt verlogen; aber diese bislang letzte ist fast so schlimm wie das Märchen von der Auferstehung von Jesus.

Schlimmer geht es kaum noch, was Glaubwürdigkeit angeht. Aber Menschen brauchen Märchen, und mein Koch wies mich auf einen weiteren Regiefehler hin: im ganzen Film werden nur Tütensuppen serviert! Die Dialoge in dem Titanic-Film sind wunderbar: der nette Junge ist an ein Rohr gefesselt, weil er angeblich ein Schmuckstück geklaut hat. Hat er natürlich nicht. Trotzdem sinkt das Schiff. Diese Winslett sucht und findet ihn ­ das Schiff ist schon fast untergegangen. Sie kann ihn nicht befreien. Sie geht und holt Hilfe. Und dann sagt der festgefesselte Schauspieler den klassischen Satz: "Ich warte hier auf Dich." Das Wasser tost und sprudelt, er ist gefesselt, sie holt Hilfe. Und er sagt einfach: "Ich warte hier auf Dich."

Bei allen Restaurant-Szenen in diesem Film werden Lachse, Lamm, Truthahn und Elchsteak versprochen. Serviert werden aber immer nur Tütensuppen, die man sogar im Kino als solche erkennen kann. Elchfleisch sieht sogar auf der Kinoleinwand ganz anders aus als Mehlklümpchen. Da hilft nicht mal mehr der Herr Flebbe, der in Deutschland die Kinos mit den höchsten Eintrittspreisen unterhält und mit den kommerziellsten Programmen. Flebbe verlangt für eine kleine Portion Popcorn 3 Euro 20! Drei Euro zwanzig für vielleicht 40 Gramm Mais mit Zucker, aufgepupt und aufgepopcornt. Dergleichen grenzt an die Frechheiten der Tütensuppenindustrie in der Berechnung Ihrer Salzlieferungen.

Wenn man bei Flebbes Cinemaxx anruft und eine Karte reservieren will, dann geht das nur über eine horrend teure 0180er Rufnummer ­ er läßt sich allen Ernstes noch extra bezahlen, dass man für sein überteures Kommerzkino eine Eintrittskarte kaufen will. Wohlgemerkt: der Anruf geht über eine 0180er-Nummer. Das Reservieren kostet extra. Und dann zeigt er Filme, in denen Tütensuppen statt Elch serviert werden. Wir leben in einer Welt der Falschheit. Der technische Aufwand für Titanic war riesengroß; da haben die Computertechniker eine alte Welt neu erstehen lassen mit ihrem digitalen Krempel. Wahrscheinlich hat das, was sich diese Leute ausgedacht haben, nichts mit der Wirklichkeit von 1919 zu tun; aber der Krempel verkaufte sich gut.

Im Grunde zeigt sich hier, dass Tütensuppen und Kino enge Verwandte sind. Flebbes Kinos sind so teuer, dass sie die Ursache für die sogenannte Kinokrise sind: das Cinemaxx-Konzept wird von seiner eigenen Geldgierde gefressen. Ich werde dabei gerne zuschauen, wie es sich selbst verzehrt. Cinemaxxe und Tütensuppen versprechen viel, sind sehr teuer und halten nur die Erwartungen jener ein, die keinen wirklich guten Geschmack haben. [Das geht jetzt aber zu weit. Die meisten Cinemaxxgeher sind um ein Vielfaches entsetzlicher als die meisten Tütensuppenverspeiser. -fm]

Heute gegessen:

Heute geliebt:

Erprobt:

Cross-Over Rezepte aus Tütensuppen und ­soßen. Ergebnis: folgt hier später. War ein Abenteuer.

Ergebnis:

89,1 Kilo