Vom Würstchen und vom Ketchup, von Tütensuppen und Haustieren
Sonntag, 25. April 2004
Es gibt sonderbare Tage im Leben. Heute war ein solcher. Ich war immer ein Gegner der Todesstrafe, aber das ist seit heute anders. Ich war mitten im Supermarkt unseres Dorfes, als mein Blick auf die Arbeit eines Werbefritzen fiel. Der Werbefritze hatte gedichtet:
Spa Geschmacks-Tomaten
So etwas muß angemessen bestraft werden. Was bitte, sollen Geschmacks-Tomaten sein? Was Spa ist, weiß jeder: ein alter Kur-Ort in Belgien wo es schrecklich gesundes altes Wasser geben soll. Aber Geschmacks-Tomaten? Wer sich solche Begriffe ausdenkt, schlägt auch kleine Kinder tot und verkauft sie bei ebay in Einzelteilen.
Die eine der beiden neuen Killer-Katzen hat sich was Schleimigkeit und Sklavenseele betrifft fast in einen Hund verwandelt. Sie übt vorauseilenden Gehorsam. Einfach widerlich. Geht man nur in der Nähe der Küche vorbei, so reibt sie ihr Killerhinterteil am Bein des Gehenden, läuft auf den Kühlschrank zu und macht „Männchen.“ Ich warte nur noch darauf, daß sie ins Eisfach pinkelt. Dann ist sie schlachtreif. Einfach ekelhaft. Ich brüte seit einigen Tagen an einer neuen Geschäftsidee: Tütensuppen mit Haustieren.
Tütensuppen mit Haustieren. Es ist kaum einzusehen, weshalb unschuldige Zwiebeln ihr Leben für Zwiebelsuppe in Tüten lassen müssen. Weshalb zarte, freundliche Kühe in Rindfleischsuppe maschinisiert werden. Wieso dumme aber freundliche Bauern zu Bauernomeletts verarbeitet werden dürfen, die vor Fett triefen. Weshalb gibt es so tumbe Tabus? Was spricht gegen eine Werbekampagne für eine Kampfhundsuppe mit Nudeln? Cockerspanieltopf á la Joe Cocker? Mit einem Musik-Chip auf jeder zehnten Packung und dem dreifachen Anteil an Geschmacksverstärker, damit der Käufer künftig nicht mehr Joe Cocker, sondern Leonard Cohen hört? Weshalb gibt es keine Hauskatzen-Bouillon aus dem Würfel? Der Würfel ist das Maß aller Dinge, hat meine Mathematiklehrer immer gesagt. Er hieß Herr Barnickel und war ein wundervoller Pädagoge; der einzige, bei dem ich jemals Mathematik verstanden habe.
Ich habe für heute ein cleveres Drei-Gänge-Menü ausgearbeitet. Ich war bis gestern ein Anhänger der Theorie, die fünf kleine Mahlzeiten am Tage bevorzugt. Seit heute bin ich Anhänger der Dreimahlzeitentheorie. Das liegt an einem Artikel im Cosmopolitan. Dort gab es ein paar Diät-Vorschläge,wie man mit Sonnenmilch abnehmen kann. Illustriert war er mit dem Bild einer RTL-Tusse, welches mit lauter Zahlen überklebt war, was ich angenehm fand: ich sähe jede FÜNF auf meinem Schulzeugnis lieber als das Gesicht der Ex von Eros Ramazotti. Die Tusse hatte eine ausgesprochen steile Nasen-Mund-Falte,was für Vitamin-C-Mangel spricht. Ausserdem sprach ihr sauertöpfischer Gesichtsausdruck für eine Blasenschwäche, die nur durch Petersilie kuriert werden kann oder durch eine Totalernährung mit Dulcolax; ergänzt durch zarte Mistelbeigaben.
Das clevere Drei-Gänge-Menü spart jede Menge Kalorien. Es besteht aus:
- Gang 1: Eine Tasse Carat Rindfleischsuppe
- Gang 2: Eine Tasse Maggi Rindfleischsuppe
- Gang 3: Eine Tasse Knorr Rindfleischsuppe
Dieses Menü sollte man bis zum gewünschten Diät-Erfolg als einzigste Nahrung zu sich nehmen. Manchmal nimmt man aber nicht so schnell ab, wie man es gerne möchte. In diesem Fall sind kleine Hilfsmittel erlaubt:
Wenn man richtig gut & schnell abnehmen will, dann gehe man am besten auf die KFZ-Zulassungsstelle. Dort findet man Beamte, denen man anmerkt, daß sie ihren Job hassen und vor allem die Petitenten, die auf sie angewiesen sind. Die Räumlichkeiten sehen aus wie in der DDR zu deren schlimmsten Zeiten. Manchmal kann man zwischen den Beamten eine Fledermausausstellung vom Landkreis sehen; und manchmal weiß man gar nicht, was Beamter, was Fledermaus ist. Alles ist so grau dort; grau. Wenn man auf die KFZ-Zulassungsstelle geht, sollte man viel Zeit mitbringen: die Beamten dort arbeiten sehr gründlich. Viel zu tun gibt es nicht, und das wird sehr gründlich getan. Jede Bewegung wird mit einem Flatus abgeschlossen oder einem Rülpser. Diesen Beamten bei der Arbeit zuzusehen, schnürt den Magen zu: schwups, sind 400 Kalorien gespart.
Die Gebührenordnung: 60 Cent werden dafür berechnet, daß das TÜV-Plakettchen auf das Nummerschild geklebt wird. Macht noch mal 90 Kalorien. Ein Besuch auf der Zulassungsstelle kann mit gut und gerne 680 Kalorien auf den Magen schlagen. Kaufen Sie nicht so oft neue Gebrauchtwagen - es schlägt auf den Magen, ihn zulassen zu müssen.
Mit dem Verkauf des Altwagens ist es ja nicht besser. Ich habe meinen alten Golf gegen einen neuen Astra eingetauscht wie jedermann. Ich bin gerne wie alle Welt. Ich habe den Golf der Fa. Auto Abbas in Neustadt wieviele Neustadts gibt es eigentlich in Deutschland? angeboten. Am Telefon ein ausländischer Mitbürger, der nur einen Satz sprechen konnte: „Auto Abbas Akxe kapuut nix zehn Euro all gutt.“ Die Firma ist fest in marrokanischer Hand. Ich verzichte auf den Konsum marrokanischer Tütensuppen. Und nehme ab, denn sie sind voll von fettem guten Lammfleisch. Jeder Löffel 388 Kalorien. Ich nehme ab.
Ich nehme ab.
Diesen Erfolg sollte man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, z.B., indem man Würstchen mit Ketchup ißt.
Würstchen + Ketchup gemeinsam in einer Mahlzeit machen jeden Diät-Erfolg zunicht. Man kann sie ohne schlechtes Gewissen aber getrennt voneinander genießen.
Es gibt in Hannover bereits eine Liga der ketschupfreien Würstchenfresser. Die treffen sich jeden Freitag um 15 Uhr vor dem Wurstbasar nahe am Bordellviertel, um eine Fettwurst mit Aufbackbrötchen zu essen. Würstchen können auch in die hohe Kultur des Deutschspießers einwandern. Vor ein paar Tagen fand ich z.B. einen supertollen Rezept-Tip auf einer Flasche Ketschup: „Besser kochen mit Hela Neues Rezept.“
Das neue Rezept bestand darin, eine Packung Nudeln nach Anweisung zuzubereiten und dann Hela-Ketschup darüber zu schütten. Heute habe ich auf einer Packung Knorr Erbsensuppe den Ratschlag gefunden, ein Meica-Würstchen hineinzuwerfen (nicht in die Packung, sondern in das Pulver nachdem man es in kochendes Wasser geschüttet hat).
Sowas nenne ich Kochkunst, Knorr und Maggi betreiben ihre Küchen nicht zu Unrecht. Dort wird echte Forschungsarbeit geleistet. Meicawurst ist für mich persönlich besonders unangenehm und für den Kreativkoch nicht zwingend vorgeschrieben, sie war nur ein superguter Tip vom Chefkoch einer bekannten Tütensuppenfirma erhielt, den ich volltrunken vor einem Münchner Bordell im Straßengraben fand und der mit den Tip für eine von mir bezahlte Taxifahrt flüsternd weitergab.
Vermutlich gehört Meica dem gleichen Chemiekonzern wie Knorr an, die Würstchen schmecken jedenfalls total schrecklich nach aufgeschlämmten Fleischresten von maschinabel gemachten Lebenwesen,; sind geschmacklich völlig blaß und zugleich versalzen. Das soll einem Würstchenkoch erstmal jemand nachmachen. Bei Meica können das alle Köche! Ich habe deshalb eigenmächtig das Rezept verändert und ein ALDI-Würstchen hineingeworfen und die anderen sieben aus der Packung kalt verspeist bis die Erbsensuppe fertig war.
Daneben: viel Soja-Sticks gefressen, zusammen mit aufgebratenen Eiernudeln. Ich werde den Weight-Watchers beitreten. Ohne Beitritt geht bei denen nichts. Die sind noch konspirativer als die Freimaurer. Ach: ich bin so unglücklich, ich bin so fett.
Diät-Tip: Bringen Sie Ihr Altpapier täglich hinunter: Jeder Schritt macht fit, jeder Gang macht schlank, sagt die fetteste meiner Kolleginnen bei jeder Gelegenheit. Und: Essen Sie mehr Altpapier. Es hat viele Ballaststoffe, die im Magen aufquellen und schmeckt gut.
91,1 Kilogramm Lebendgewicht.