Cohn-Bendit, die Grünen, der Ekel vor den GRÜNEN, der Eurofighter, eine Zwiebelsuppe, ein Blätterteig und Thea. Ein Diätbericht
Donnerstag, 22. April 2004
Heute war ein harter Diät-Tag.
Ich war gestern abend mit 89,1471 kg zu Bett gegangen und hatte mir geschworen, mir die Kugel zu geben, sollte ich schwerer aufwachen, als ich schlafen gegangen war. Gott, an den ich bekanntermaßen nicht glaube, spielte ein böses Spiel mit mir: meine atombetriebene Waage zeigte 89,14699 kg am Morgen an. Ich musste also aufstehen. Das einzige, was mir diesen Tag noch retten konnte, war die Aussicht, meine befriedigende, hoch bezahlte und wichtige Tätigkeit im öffentlichen Dienst aufnehmen zu können. Nur einige hundertstel Gramm mehr - und mein Schicksal wäre besiegelt gewesen und ich hätte meine Pension nicht erlebt. Eine Kugel, und nicht von Rocher, wäre mein selbstgewähltes Schicksal gewesen. Aber so muß ich aushalten und zuschauen, von Daniel Cohn-Bendit völlig verblödet. Der ist sich allen Ernstes nicht zu dumm dazu, fett und feist wie er heute aussieht, für die Europawahl zu kandidieren: Überschrift: Der grüne Eurofighter.
Der Euro-Fighter ist ein aggressives Angriffsflugzeug, gegen dessen Einführung und die horrenden Kosten sich die Grünen früher mal gewehrt haben, als sie noch Anstand, Verstand und Charakter hatten. Sie sind dann, wie immer, eingeknickt, haben alles abgenickt, was von den Mächtigen kam, wurden dumm und dümmer und gewinnen seither Wahlen. Das nenne ich Demokratie. Und dann, opportunistische Rektalkriecher die sie sind, haben sie Cohn-Bendit zum grünen Eurofighter gemacht. Ich hoffe von Herzen, dass er abstürzen wird.
A propos Pension: mit Pensionen verbinde ich eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens: ich war 24 Jahre alt, als ich das Diplom erwarb, welches mich heute noch so ernährt, dass ich fett geworden bin. Stolz mit dem Diplom unter dem Arm erschien ich auf dem Amt zu versichern, ich werde jederzeit der freiheitlich-demokratischen-Grundordnung dienen. Ich versprach dies, und es stört mich heute noch nicht, dass die Macher der FDGO selbst zutiefst undemokratisch und oft auch korrupt sind.
Und an jenem feierlichen Tage, als ich jenes gelobte, immer der FDGO treu zu dienen, machte ich zum Einen die Bekanntschaft von Herrn Grest und zum anderen musste ich ein Formular ausfüllen. Auf dem Formular wurde ich gefragt, ob ich zur Pensionierung im Jahre 2027 lieber einen Porzellanteller mit Pflanzen- oder Tiermotiv vom Lande Niedersachsen als Dank für meine Bemühungen um das Volkswohl wünsche. Ich kreuzte damals "Tiermotiv" an. Ich war jung und leichtfertig. Ich wählte Tiermotiv, weil ich jung war und mich animalisch fühlte. Und weil ich nicht im Kleingedruckten nachgelesen hatte, was "Tiermotiv" bedeutete. "Tiermotiv" bedeutet, dass der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht, kein wirkliches Ruhmesblatt der Landesgeschichte, auf dem Teller abgebildet ist, wie er bei Vollmond einen röhrenden Hirsch schießt. Ausserdem bin ich heute Vegetarier und hätte lieber einen Pflanzenmotivteller, auf dem Helmut Kohl, der mit Ernst Albrecht mal auf der Jagd war, einer Sonnenblume und ihrem Kind die Hand schüttelt. Aber ich habe "Tiermotiv" angekreuzt, und es gibt keine Formulare, die es ermöglichen, meine Wahl rückgängig zu machen. So werde ich bei der Pensionierung "Tiermotiv" erhalten und den Teller fallen lassen.
Ich war heute also dank des Wäge-Ergebnisses aufgestanden und nicht gestorben. Der Tag war dennoch problematisch. Ich musste immerzu an einen Kollegen denken, der nach nur einer Woche Arbeit einfach nicht mehr zur Arbeit kam und auch bekannte, nicht mehr kommen zu wollen. Er lebt jetzt auf Kosten der Allgemeinheit; hält alle, die arbeiten gehen für Vollidioten. Ich habe ihn gestern auf den Marktplatz gesehen, wo er mit allerlei gutem Wein gefüllt lautstark einen Vortrag hielt in dem er nachwies, dass Arbeitengehen sich nicht lohnt in der BRD. Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag ist bei Sozialhilfebezug ungleich günstiger.
Auf dem Amt angelangt, wollte ich meine Diät fortsetzen und dazu einen großen Teller Maggi-Zwiebelsuppe kochen; aufgehübscht mit echten Zwiebeln, die ich von einer schönen, jungfräulichen und absolut ökologisch anbauenden Bauersfrau geschenkt bekommen habe. Für jede Zwiebel, die ich ihr abnahm, 33 Küsse.
Mit dem Aufhübschen kann man böse Überraschungen erleben. Mein leider verstorbener Freund Thomas Lichtherz hatte mir mal ein wunderbares Rezept für eine echte klare Ochsenschwanzsuppe gegeben, die ich mit großem Aufwand nachkochte für eine kleine Freundesschar zu Silvester. Der Grundgedanke war: jeder bekommt eine kleine Tasse absolut erstklassiger Ochenschwanzsuppe, die keinerlei künstliche Zutater je sah. Ich brauchte für die Vorbereitung fünf Stunden. Als sie absolut perfekt war, kam meine Frau und warf zwei ALDI-Brühwürfel in den Topf.
Mit Thomas war ich mit dem Auto durch Frankreich gefahren und habe bei ihm Essen und Genießen gelernt. Gut in Erinnerung habe ich insbesondere einen Abend in Honfleur, dem Geburtsort Saties, wo wir im Hafenviertel Fisch aßen und dann mit den Fischern aßen und tranken. Gegen drei Uhr in der Nacht boten uns die Fischer Haschisch und ihre Frauen an. Das war 1984.
Aber ich sprach ja von dem heutigen Tag und der Zwiebelsuppe. Kaum hatte ich im Amt einen großen Topf Zwiebelsuppe gekocht, kam meine alte Freundin Thea, begrüßte mich und warf ein paar Päckchen Backwerk in den Topf, in dem es siedete, brodelte und zischte (vgl. Friedrich Schiller):
Thea machte gerade die neue Butterblätterteigdiät von EDEKA. In fetten Angebotskörben, zum doppelten Preis wie ohne "Angebot."
Ich fand EDEKA immer schon schwachsinnig. Dumme Gewerkschafter, dumme Geschäftsführer, unmotiviertes Personal, mäßige Ware. Horrende Preise, und ein Angebot, dass von sich behauptet, Vielfalt zu bieten und dann 33 Sorten Klopapier, 58 Sorten Zahnpasta und 31 Sorten Lippenpflegestifte stapelt. Nicht genug: sie haben auch noch 19 Gemüsebrühen, die praktisch identisch sind und nur aus Salz, JODSALZ und Salzsalz bestehen. Manche sind noch mit Meersalz verschnitten. Das sind die Teuersten.
Das Schwachsinnige an der Blätterteigpastete ist, dass sie sich Butterblätterteigpastete nennt. Blätterteig wird immer mit Butter gemacht. Man nimmt minderwertiges Auszugsmehl, schmiert billigste EU-Butter und manscht aus dem Mehl und dem teuren Leitungskalkwasser eine klebrige Melange mit Chlorgeschmack (Gruß an Ihre Stadtwerke: wenig Leistung, horrende Kosten). In die Mansche mantscht man Salz, walzt einen Teig und schmiert die Butter drauf. Rollt alles ein; schmiert wieder Butter drauf und so weiter. Alles in den Ofen. Alles wird heiß (hoffentlich), das in der Butter reichlich enthaltene Wasser entweicht und macht den Klebscheiß zu Blätterteig. Wieso nennt EDEKA das Butterblätterteig? Butter ist hierzu Lande ein Überflussprodukt, welches untergegraben oder nach Russland verschenkt wird, damit die EU ihre groteske und niederträchtige Preispolitik stützen kann.
Thea also kam in das Amt und warf ein paar Päckchen ihrer Butterblätterteigpastete in meine Zwiebelsuppe. Es roch sonderbar, doch der Effekt war verblüffend: mit jedem Löffel nahmen wir beide synchron sichtbar an Gewicht ab. Thea ist ein wunderbarer Mensch. Liebevoll, sinnlich, lustvoll und eine einzigartige Gesprächspartnerin. Mit ihr zusammen nehme ich gerne ab. Abnehmen ist ein Abenteuer.
Bilanz des Tages:
- 1 Zwiebelsuppe von Maggi
- 12 Päckchen Butterblätterteigpastete von EDEKA
- 1 grauenvolle Arbeitsbesprechung
- 1 Glas Rotwein von Jacques Weindepot:
Ich war auf die Reklame mit der schönen spanischen Winzerin hereingefallen und habe ein paar Flaschen Vin Alcasta gekauft. Kostet 5,98 pro Flasche, wird vollmundig beworben; ist großer Mist. Versucht die Idiotie des "Beaujolais primeur" auf spanische Verhältnisse zu übertragen. Mäßiger Wein zu überhöhten Preisen an Yuppie-Kretins vertickert.
Tipp:
Wein stehenlassen
Plan für Morgen:
Thea anrufen.